Batur im Glück Teil 2
JUHU- WIR HABEN EIN ZUHAUSE
Vor zwei Wochen erzählte Melanie den ersten Teil ihrer steinige Geschichte. Heute wird es noch steiniger! Wir danken zutiefst all unseren Adoptanten, dass sie diese Wege in Liebe zu ihrem Fellchen mit uns gingen. Melanie und mich verbindet etwas ganz Besonderes. Er heißt Batur und hier ist die Geschichte einer außergewöhnlichen Adoption:
Es kam einfach keine Meldung für eine baldige Ausreisegenehmigung. Langsam war ich wirklich das Warten leid, ich war inzwischen umgezogen, die Toilette bestückt, der Kratzbaum aufgebaut, die Schubladen voll mit Futter und Spielzeug und Körbe waren in Startposition, alles war bereit für die Willkommensparade. Ende Januar berichtete Iris mir endlich, dass er seine Impfungen bekommen darf-yeeeesss!!!Jetzt ging es nur noch um die Reise nach Deutschland und wie und mit wem...dachte ich....am 12.Februar schrieb Iris:der FIV Test ist positiv...ich dachte hui, das ist ja super-dann schrieb sie, dass sie heulen könnte. Ich wusste nicht dass FIV eine Immunschwäche ist, vergleichbar wie HIV beim Menschen, also ausbrechen kann, wenn dass Immunsystem schlapp macht. Oh nein- ich hatte vorher schon von Katzenaids gehört, aber dass mein Kater, den ich nicht mal liebgewinnen konnte, weil wir uns nicht mal kennengelernt hatten, das hat...ne!,Iris und ich telefonierten nach dieser Schreckensnachricht und ich wusste gar nicht wie ich reagieren sollte. Auf der einen Seite dachte ich um Gottes Willen, jetzt bekomm ich eine kranke Katze auf der anderen Seite wiederum dachte ich-komm den Flickerlteppich wolltest du doch auch. Scheiß drauf-ich möchte diesen Batur, ich wollte diesem Tier ein schöneres Leben bieten als auf der Straße,wenn er jetzt halt nicht 17 werden kann, hat er bestimmt einige tolle Jahre bei mir und auf unserem Hof. In Varna und in Deutschland war man erleichtert, denn eine Katze mit FIV zu vermitteln ist noch schwerer als eine gesunde. Ich muss hiermit nochmal in den Vordergrund setzen, dass die"Pfotenfreunde Varna" absolut ehrlich und unverblümt sagen, wie es ist. Niemand soll Zuhause eine böse Überraschung erleben, es wird jede Anfrage beantwortet und auch jedes Problem gelöst in sofern es ihnen möglich ist. So...der Tag der Ausreise war gekommen, es war der 20.2. Ein halbes Jahr nach meinem Versprechen Batur aufzunehmen. Morgens ging es schon los, mir wurden Bilder geschickt, wie sich alle verabschiedeten von Batur und den anderen Glücklichen die an diesem Tag die lange Reise ins unbekannte Glück antreten durften. Mir kamen die Tränen, als ich Silvis Mann sah in dem Video, er nannte Batur immer tschitschu, er hat ihn so gekuschelt und man konnte merken wie viel Liebe er ausstrahlte. Dass nächste Bild war im Trapo (Transport) mit extra großem Korb für meinen. Ich weiß nicht genau, wieviel Tiere an diesem Tag reisten, aber ich habe mich für jedes einzelne gefreut, ich war so aufgeregt als würde ich ein Kind bekommen (ich habe noch nie eins bekommen):)) Jede Stunde zog sich, es wurde in meiner Nähe ein Treffpunkt ausgemacht an dem ich um 22 Uhr sein sollte, ich bin rumgefahren und war mir trotz Navi nicht mehr sicher, ob ich richtig stand. Alles von der Aufregung. Dann gegen 22.15 kam der Trapo ahhhhh,inzwischen kamen noch einige andere zukünftige Herrchen aus ihren Löchern, um ihre Schätze in Empfang zu nehmen,es war etwas wie im wilden Westen unsererseitsm jeder wollte der erste sein, heute muss ich echt lachen (sie hätten kein Tier wieder mitgenommen) Endlich war ich dran...der nette Fahrer rief Batur??? Jaaa hieeer, ich bin hier. Ich schnappte mir die Kiste und traute meinen Armen nicht....was war da noch drin? Wackersteine? Heiliger Bim Bam war die Kiste schwer. So, da hatte ich ihn im Auto, es gefiel ihm nicht, er war am Heulen wie ein Schlosshund, ich konnte mein eigenes Wort nicht verstehen (dachte, ist gut, wenn er meine Stimme schon mal hört). Zuhause angekommen habe ich ihn in ein Zimmer gesetzt und die Kiste aufgemacht, ich wollte ihn nicht länger darin lassen, ich glaube, sie waren 20 Stunden unterwegs. Ok, das war's dann für die nächsten 3 Wochen was ich zu erzählen habe,er steckte unter meinem Bett immer, noch unwissend wie er denn wirklich aussah oder wie er so drauf war. In den folgenden Nächten hörte ich, dass er auf die Toilette ging und sogar im Streu kratzte, Mensch was war ich happy, gefressen hat er nur in meiner Abwesenheit, scheinbar wenn er sich sicher war, dass ich nicht sehr bald zurück kam. Natürlich hatte ich mich stundenlang vor das Bett gehockt und ihn versucht mit Futter in Erscheinung zu bringen, außerdem tat er mir so leid, da er recht groß wirkte da unten im Dunkeln und der Rücken sicher langsam zu spüren war. Nach exakt 3 Wochen traute ich meinen Augen kaum, als er meine alleinigen Angelspiele vorm Bett erwiderte und aus seinem Unterschlupf kroch. Meine Güte dachte ich: Ist der riesig und dick!! Und hübsch ist er auch. Nach diesen kurzen aber tollen Momenten zog er sich nur noch sicherheitshalber wieder unter's Bett. Irgendwann kam ich nach Hause von der Arbeit, guckte unter's Bett und Batur war nicht da, völlig in Panik durchsuchte ich dass ganze Haus ohne Erfolg und dachte nur: Oh nein, er ist irgendwie abgehauen...nach einer Stunde suchen und rufen gab ich auf und überlegte genau, wie er entwischt sein könnte, aber es gab bei der Masse an Kater keinen Weg nach draußen, also fing ich von vorne an zu suchen...ich Idiot!!Auf der Treppe zum Speicher saß er auf der obersten Stufe ohne sich zu rühren. Langsam näherte ich mich diesem Kalb von Kater und hoffte, er würde nicht wieder unter's Bett rennen. Es waren 2 Minuten, vermutlich 2 Minuten um den passenden Winkel der Flucht zu ergreifen. So ging es dann noch tagelang weiter, ich hörte unten in der Küche, dass er aktiv wurde, wenn er sich ungestört fühlte, er probierte seine Spielzeuge aus und trampelte wie ein mittelgroßer Hund. Ich freute mich so, langsam fühlt er sich wohl und genießt. Eines Tages ca 5 Wochen nach seiner Ankunft kam er die Treppe herunter und wir guckten uns beide blöd an, trotzdem blieb er und beobachtete... Jeden Tag traute er sich mehr und mehr und heute ist es so, als wären die anfänglichen Schwierigkeiten nie da gewesen, es ist ein stolzer, hübscher Kater. Den Tierarztbesuch den ich 2 Tage nach Ankunft geplant hatte (naivste Idee die ich jemals hatte) holten wir dann nach, als er mir nicht mehr die Krallen zeigte sobald ich ihn anfassen wollte. Zu meiner Beruhigung ist er sehr fit und gesund, das FIV macht ihm keine Probleme und er könnte etwas abnehmen wurde mir geraten. Wir haben so eine tolle Zeit, er geht raus (es sind keine anderen Katzen hier) er jagt Mäuschen und genießt ein tolles Katzenleben, wir sind ein tolles Team geworden und ich möchte ihn nie mehr missen. Unser Anfang war steinig, aber ich hatte zu jeder Zeit ein Team hinter mir, was mich unterstützt hat. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mit mir geschwitzt haben und meine Sorgen geteilt haben,den Paten, Silvi, ihrem Mann den Ärzten und besonders bei Iris, die ich als eine besonders intensive, hilfsbereite und tolle Tierschützerin kennengelernt habe. Viele Menschen sagen: Ach wir haben genug Tiere in Deutschland in den Heimen...die haben noch nie dass Leid auf den Straßen von Varna gesehen. Ich spende gerne Geld an die"Pfotenfreunde Varna", weil auch ich mal darauf angewiesen war, als mein Kater diese Hilfe benötigte. Es kommt genau da an wo es so dringend benötigt wird-bei den Tieren, die sich ein schöneres Leben wünschen als auf der Straße.Vielleicht kannst auch du bald eine Geschichte erzählen, voller Emotionen, Liebe und Glück, weil du ein Tier retten konntest..... Viele Grüße von Batur und Melanie